Das Oktoberfest steht wieder vor der Tür und wie jedes Jahr steigt von Tag zu Tag die Vorfreude auf den absoluten Ausnahmezustand, in dem sich München dann wieder befindet. Nach vier Jahren als Wiesnbedienung in einem der größten Zelte, schaue ich dieses Jahr mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf diese Zeit zurück. Denn meine Zeit als Bedienung ist mit Ende des Studiums nun Vergangenheit. Mal schauen, ob ich privat auf das Oktoberfest gehe, oder dem Trubel dieses Jahr einfach mal fernbleibe.

Auf Instagram habe ich euch die Möglichkeit gegeben, mir EURE Fragen zu stellen. Was wolltet ihr schon immer von einer Wiesnbedienung wissen? Ich habe mir zehn Fragen herausgesucht und hoffe, euch heute einen kleinen Blick „Hinter die Kulissen“ des größten Volksfestes der Welt geben zu können.

1. Wie viele Tische werden jeder Wiesnbedienung zugeteilt?

Ihr habt mich gefragt, wie viele Tische jeder Wiesnbedienung zugeteilt werden, sprich wie groß die Station ist, für die man verantwortlich ist. Diese Frage lässt sich wie viele andere Fragen nicht so pauschal beantworten. Deshalb gilt meine Antwort nur für das Zelt, in dem ich arbeiten durfte. Die Anzahl der Tische kann zudem auch je nach Zeltbereich und Teamgröße abweichen. Im Mittelschiff ist jede Bedienung grundsätzlich für drei Tische zuständig. Das sind 30 Personen, die gerne mal zur exakt gleichen Zeit kommen oder gehen und durch neue Gäste ersetzt werden. Klingt erstmal nach wenig, kann zum Reservierungswechsel aber trotzdem mal stressig werden. Da man jedoch meistens im Team arbeitet, hat man im Mittelschiff die doppelte Anzahl an Tischen, die man im Blick behalten muss. Mit meinem Teampartner habe ich es damals so gemacht, dass ich für das Bier und er für das Essen zuständig war. Das hat den einfachen Vorteil, dass immer jemand am Gast ist, denn gerade in der Küche kommt es zu Stoßzeiten auch mal zu sehr sehr langen Wartezeiten.

2. Lohnt es sich auf dem Oktoberfest zu bedienen?

Es wundert mich nicht, dass diese Frage gleich mehrmals kam. Kaum ein Thema rund um das Oktoberfest interessiert wohl mehr, als der Verdienst der Bedienungen auf dem Oktoberfest! Dazu habe ich schon mal einen ausführlichen Blogpost geschrieben, (klick)  denn diese Frage lässt sich in keiner Weise pauschal beantworten. Der Verdienst einer Wiesnbedienung hängt von unterschiedlichen Faktoren ab: Station im Zelt, eigene Motivation und Fleiß, Wetter, Bierpreis…Grundsätzlich kann ich euch aber sagen: Ja, es lohnt sich! Zwar kann man sich von dem Geld, im Gegensatz zum weit verbreiteten Irrglauben, nicht für ein Jahr die Miete sichern, allerdings ist mindestens ein schöner Urlaub drin und für ein paar weitere größere Anschaffungen reicht das Geld meistens auch. Fragt man die älteren Bedienungen, hat sich die Arbeit auf dem Oktoberfest früher jedoch viel mehr gelohnt. Damals war dann vielleicht – zumindest was den Verdienst einer Bedienung auf dem Oktoberfest angeht – doch noch alles besser.

3. Wie viele Maßkrüge muss eine Oktoberfest Bedienung tragen können?

In unserem Zelt habe ich so einiges gesehen: „Starke“ Männer, die mit maximal sechs Maß durch die Gänge schlendern, Powerfrauen, die sich ganze 14 Maß vor die Brust klemmen oder den gesunden Durchschnitt, der mit 10 Maßkrügen tapfer die ganze Wiesn durchhält. Grundsätzlich „muss“ man keine Gewisse Anzahl an Krügen tragen können, um auf dem Oktoberfest zu arbeiten. Zumindest zum Reservierungswechsel empfiehlt es sich jedoch, mindestens 10 Maß tragen zu können, denn damit hat man mit einem Schwung einen kompletten Tisch bedient und muss nicht wegen drei, vier Maß eine zweite Runde drehen. Denn glaubt mir, jeder Weg ist zu weit, wenn die Gänge voll sind und einem die Füße wehtun. Übrigens ist es (leider) nicht so, dass man permanent mit so vielen Krügen durch die Gänge läuft. Fragt man die Bedienungen, könnten die Gäste gerne mehr trinken und die Stationen größer sein. Oft geht man mit viel weniger Bier als man tragen könnte, was sich leider auch negativ auf den Verdienst auswirkt. Schließlich verdient eine Wiesnbedienung nur dann, wenn auch ordentlich getrunken wird.

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4. Wie viele Maß kannst du tragen und wie schaffst du das?

Das Maximum, das ich jemals geschafft habe, waren 12 Krüge. Aber nur mit Hohlkreuz und einem schmerzenden Rücken danach. Logisch, dass es dann auch bei der einen Runde mit so vielen Maßkrügen geblieben ist. Die ersten Tage schaffe ich meistens nur neun Krüge. Da ist die Muskulatur noch nicht so gut aufgebaut. Neun kann ich irgendwie von der Technik her leichter tragen als zehn Krüge, auch wenn es vom Gewicht an sich kaum noch einen Unterschied macht. Apropos Technik: Dass es überhaupt möglich ist, so viele Krüge zu nehmen, liegt an der richtigen Technik! Die Hänkel lassen sich super ineinander verhaken, was eine gute Stabilität bildet. Sechs Krüge in die eine Hand, die siebte oben drauf und drei Krüge in die andere Hand. Die Hand mit den drei Krügen umarmt den Bierkranz in der anderen Hand. Dann alles fest an den Körper pressen und los geht’s!

Übrigens bin ich der festen Überzeugung, dass jede/r locker sieben Maß tragen kann. Wenn ich mich mit den Gästen gut verstanden habe, war es mir immer eine große Freude, den Mädels die Technik zu erklären. Strahlende Gesichter und anschließende Fotosession garantiert! Übrigens wiegt eine Maß Bier ca. 2,3 Kilo. 1300 Gramm Gewicht schlägt dabei nur das leere Glas zu Buche. Jetzt könnt ihr euch ausrechnen, wie viele Kilo eine Bedienung da zeitweise durch die vollen Gänge schleppt und warum manchmal mit letzter Kraft ein „Obaaacht“ gerufen wird. Und wie man sich darauf vorbereitet? Das erfahrt ihr in diesem Beitrag!

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5. Warum muss man auf die Biermarken noch etwas draufzahlen?

Jeder kennt sie: Die (Papier-)Marken. Egal ob Bier, Hendl oder andere Wertmarken – sie sind wie Bargeld zu behandeln und meist erhalten sie Brauereien oder Reservierungen. Was viele nicht wissen: Es gibt zwei Arten von Marken! Steht beispielsweise „Inklusive Bediengeld“ auf der Marke, entspricht der Wert dem vollen Bierpreis. Anders ist es jedoch bei den Marken „Exklusive Bediengeld“. Diese haben einen bestimmten Wert, der unter dem des Bierpreises liegt. Um ein Bier zu erhalten, muss das Bediengeld, das meist knapp unter einem Euro liegt, draufgezahlt werden. Dieser Betrag ist allerdings KEIN Trinkgeld! Entspricht dieser Betrag z. B. 95 Cent und ihr legt einen Euro drauf, habt ihr für den freundlichen Service plus Stress und körperliche Anstrengung gerade mal fünf Cent Trinkgeld gezahlt. Ich bin sicher, das macht niemand böswillig. Es weiß einfach kaum jemand.

6. Wie lange dauert ein Arbeitstag auf dem Oktoberfest?

Ich bin immer wieder erstaunt, dass viele Menschen gar nicht wissen, wie viele eine Wiesnbedienung tatsächlich auf dem Oktoberfest arbeitet! Als Wiesnbedienung arbeitet man tatsächlich das komplette Oktoberfest durch! Hier gibt es keine Tageweisen Schichten (zumindest in den großen Zelten) oder eine Früh- oder Spätschicht. Würde das eines Tages eingeführt werden, würden viele Bedienungen auch gar nicht mehr auf dem Oktoberfest bedienen.

Denn genau darum geht es: Innerhalb von zwei, drei Wochen so viele Stunden wie möglich zu arbeiten! Die Leute, die hier arbeiten, sind natürlich auch hauptsächlich wegen des Geldes auf dem Oktoberfest. Und das fließt eben nur, wenn man auch die komplette Zeit da ist und sein Bestes gibt! Jede Pause, jedes frühes Schichtende oder jeder Ausfalltag bedeuten am Ende weniger Geld. Daher sind die Bedienungen froh darüber, so lange wie möglich zu arbeiten! Bei uns wurde es jedoch so gehandhabt, dass sich die Teams untereinander abwechseln und unter der Woche auch mal ein, zwei Stunden später kommen durften oder früher Feierabend hatten. Und ab und zu ist der Schlaf dann doch mehr wert als alles Geld der Welt. Wie so ein Tag normalerweise abläuft, erfahrt ihr hier in einem sehr persönlichen Erfahrungsbericht.

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7. Was passiert, wenn man als Bedienung während der Wiesn krank wird?

Als Wiesnbedienung hat man im Krankheitsfall natürlich wie in jedem Job die Möglichkeit, zu Hause zu bleiben. Allerdings kenne ich keinen Fall, wo der Verdienstausfall durch das Zelt oder eine Krankenkasse abgedeckt wurde. Da man als Bedienung sozusagen selbstständig arbeitet, erhält man auch nur für die Tage Geld, an denen man gearbeitet hat. Nagelt mich hier rechtlich gesehen aber nicht fest. Das ist nur die Praxis, wie ich sie erlebt habe. Grundsätzlich ist es aber jedes Jahr erstaunlich zu sehen, in welchen gesundheitlichen Zuständen sich die Bedienungen noch auf die Wiesn schleppen!

Auch ich habe bereits tagelang gearbeitet, wo ich definitiv ins Bett gehört hätte. Krankmeldungen gibt es daher eigentlich nur in den absoluten Ausnahmefällen. Mein Teampartner damals wäre wahrscheinlich auch noch mit gebrochenem Bein über die Wiesn gehumpelt. Doch warum nimmt sich niemand einfach frei, wenn er während des Oktoberfestes krank wird? Ganz einfach! Jeder Tag bedeutet Geld und es stehen genügend andere Kellner vor dem Zelt, die gerne einspringen würden. Ist man zu lange weg vom Fenster, braucht man vermutlich auch gar nicht mehr wiederkommen, denn Personal zu finden ist wohl nirgendwo so einfach wie auf dem Oktoberfest. Doch wie gesagt, diesen Fall kenne ich nicht und ich denke, so schnell wird das auch niemand ausprobieren. Die Wiesn ist eben Ausnahmezustand und wer das Geschäft kennt, rechnet fast schon damit, trotz obligatorischer Wiesngrippe durchzuarbeiten. Wie ich mich darauf vorbereite, möglichst gesund zu bleiben und was auch ihr als Gäste tun könnt, um euer Immunsystem für das Oktoberfest fit zu machen, habe ich euch übrigens in einem eigenen Artikel erklärt.

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8. Wie kommt man ohne Reservierung an einen Tisch auf dem Oktoberfest?

Grundsätzlich ist es so, dass es in jedem Zelt nicht reservierte Bereiche gibt. Hier könnt ihr auch ohne Reservierung Glück haben! Wenn ich an die letzten Jahre als Bedienung zurückdenke, erinnere ich mich daran, wie oft wir händeringend nach Gästen gesucht haben! Wirklich, die Zeiten, wo man stundenlang vor verschlossenen Zelttüren steht, sind vorbei! Oft hilft es, einfach nett (und nüchtern) auf die Bedienungen zuzugehen und zu fragen, ob irgendwann was frei wird. Wie ihr euch vorstellen könnt, sind Bedienungen sehr froh über „frische“ Gäste, die nicht nur am letzten Noagerl nippen und halb auf dem Tisch einschlafen. Aus meiner Erfahrung kann ich berichten, dass wir oft einfach ganz locker mit den Gästen kommuniziert haben und schon ungefähr wussten, wann diese weiterziehen wollen. Also sprecht einfach die Bedienungen an, vielleicht wissen die, wo etwas frei wird und sind sogar froh über eine frische Truppe trinkfreudiger Gäste. Übrigens darf dann bei einer leckeren kühlen Maß auch gerne ein kleines Trinkgeld gegeben werden (freiwillig natürlich).

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9. Was war nochmal die Bedeutung der Dirndlschleife?

Ja wie war das nochmal…links vergeben, rechts single oder doch andersrum? Die Mythen um die Dirndlschleife halten sich auch bis heute noch und gehören zum obligatorischen Oktoberfest-Know-How! Schaut euch doch einfach mal diesen Beitrag an. Da habe ich den ganzen Mythos etwas genauer unter die Lupe genommen und erkläre euch, wie ihr beim Flirten von Anfang an die richtige Wahl trefft. So, aber jetzt mal Klartext: Wer denkt, dass eine Dirndlschleife ein Freischein ist und automatisch bedeutet, dass die Dame der Wahl single ist oder an „mehr“ interessiert ist, hat da was gewaltig falsch verstanden. Selbst einige Münchnerinnen wissen teilweise gar nicht mehr, welche Seite was bedeutet oder tragen ihre Schleife einfach aus Gewohnheit auf der einen Seite. Weil letztendlich ist es doch so wie immer im Leben: Wer bei der Dame seiner Wahl punkten will, sollte es vor allem mit Respekt, Höflichkeit und einer gesunden Brise Humor versuchen.

Dirndschleife binden.

Dirndlschleifen ABC

10. Wieso bekomme ich oft kein Bier im Stehen, also eine Stehmaß?

Die Sache mit der sogenannten „Stehmaß“ sorgt jedes Jahr immer wieder für Verwirrung und stößt bei vielen Gästen auf Unverständnis. In vielen Zelten lassen euch die Bedienungen nämlich eiskalt abblitzen, wenn ihr ohne Sitzplatz versucht, eine Maß zu bestellen. Das hat einen einfachen Grund: Es ist verboten und die Bedienungen würden mit dem Verkauf einer Stehmaß riskieren, dass sie ihren Job verlieren. Kein Scherz, es gibt dafür sogar verdecke Kontrollen vom KVR oder den Zeltbetreibern selber, um Bedienungen auf die Schliche zu kommen, die sich nicht an die Spielregeln halten! In manchen Zelten mag es vielleicht lockerer zugehen, oder gar einen eigenen Bereich geben, wo der Verkauf von Stehmaß erlaubt ist. Bei uns war es jedenfalls verboten und die Kollegen haben sich alle soweit ich weiß daran gehalten.

Das waren meine Top 10 Fragen an eine Wiesnbedienung!

Damit wären wir bei der letzten Frage angekommen. Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Artikel einen kleinen Einblick geben, wie der Job einer Wiesnbedienung funktioniert und die ein oder andere Unklarheit aus dem Weg räumen. Wenn ihr noch weitere Fragen oder Erfahrungen habt, freue ich mich wie immer, wenn ihr diese in den Kommentaren mit mir und den anderen Lesern teilt! Lasst euch von der DSGVO Check-Box beim Kommentarfeld nicht abschrecken. Das ist einfach eine rechtliche Absicherung, für euch ändert sich natürlich nichts. 🙂 Ich freue mich auf den Austausch und wünsche euch allen eine schöne und friedliche Wiesn 2018!

Insiderwissen Oktoberfest: 10 Fragen an eine Wiesnbedienung